Wischeffekt

Das Bild des heutigen Beitrags entstand aus einer alltäglichen journalistischen Aufgabenstellung. Anhand von längeren Verschlusszeiten habe ich versucht bewegte Objekte. in diesem Fall Lastwägen, vom Vordergrund zu trennen und dem Foto dadurch mehr Dynamik verleihen.

Die Technik und die Bildwirkung ist ähnlich wie beim “mitziehen”. Auch hier arbeitet man mit relativ langen Belichtungszeiten. Allerdings bewegt sich hier die Kamera hier nicht mit dem Hauptmotiv sonder bleibt möglichst unbeweglich.

Gefährlicher Schulweg

Gefährlicher Schulweg
Canon EOS 70D, EF17-40mm f/4L USM, 17,0 mm, 1/8 Sek; f/9; ISO 125

Die Aufgabenstellung

In einem kleinen Ort im Nürnberger Land mit rund 4000 Einwohnern befindet sich das Logistik-Zentrum einer Büroartikel-Firma. Dementsprechend rauschen jeden Tage unzählige Lastwagen durch den Ortskern, da die Gemeinde es nicht fertig gebracht hat eine Umgehungsstraße zu bauen. Trotz eines seit Jahren bestehenden Ratsbeschlusses der dies konkret fordert. Dummerweise führt die LKW-Strecke entlang des Schulweges der meisten Grundschüler. Und viele Eltern sind deswegen sehr beunruhig und um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt. Dies galt es entsprechend zu illustrieren.

Die Umsetzung

Um dies zu fotografieren habe ich zwei Grundschülerinnen auf ihrem Schulweg begleitet. Natürlich nicht ohne mir vorher das Einverständnis der Eltern geben zu lassen. Es war vereinbart, dass die Kinder nicht zu erkennen sein sollen.

Die Stelle an der das Foto entstehen sollte, hatte ich mir vorher schon ausgesucht. Ich bat die Mädchen zu warten bis der nächste LKW vorbei fahren würde, was nur wenige Minuten dauerte und dann still stehen zu bleiben. Dafür wählte ich einen sehr tiefen Kamerastandpunkt und ein Weitwinkel-Objektiv um möglichst viel vom Lastwagen mit aus Bild zu bekommen.

Ich stellte die nach meiner Erfahrung längste Verschlusszeit ein, die ich mit dieser Brennweite gerade noch aus der Hand halten konnte, in diesem Fall 1/8 Sekunde (nein, ich hatte mal wieder kein Stativ zur Hand, die alte Geschichte).

Immer mehrere Varianten ausprobieren

Es kamen im kurzen Abstand mehrere schwere Gespanne angerauscht und ich machte entsprechend auch mehrere Aufnahmen – jeweils eine pro LKW, mehr geht bei dieser Technik nicht. Dabei habe bei jeder Aufnahme die Zeiten variiert, sowohl verkürzt als auch verlängert und am Ende die Aufnahme gewählt, bei der mir der Wischeffekt am besten gefallen hat.

Und um ehrlich zu sein: am Boden liegend gerade mal 2 Meter entfernt zu sein von einem vorbei donnernden 18-Tonner – das ist doch ein etwas unbehagliches Gefühl. Danach konnte ich mir ganz gut vorstellen wie sich dabei erst kleine Kinder fühlen.

Keine Photoshop-Tricks

Und auch wenn das der eine oder die andere auch vermuten möchte, an diesem Bild ist im Photoshop ausser der Helligkeit, der Sättigung und dem Abdunkeln der Bildränder nichts verändert! Kein zusätzlicher Wischeffekt oder oder sonstige Verfremdungen. Zum einen habe ich einfach den Ehrgeiz solche Bildwirkungen mit fotografischen Mitteln zu erzielen, zum anderen bin ich der Meinung das Berichterstattung und Bildmanipulation sich grundsätzlich ausschließen.

Meine Empfehlungen für Wischeffekte

  • Stativ benützen oder Objektive mit Bildstabilisierung
  • Manuell fokussieren (Autofokus ist hier überfordert)
  • Weitwinkelobjektive benützen
  • Verschlusszeiten (je nach Geschwindigkeiten) zwischen 1/4 und 1/30 Sekunde wählen
  • mit genügend Schärfentiefe arbeiten (Blenden zwischen 8 – 16)

Viel Spaß beim ausprobieren!

 

 

 

 

2 Gedanken zu „Wischeffekt

  1. Gabriele Metz

    Ein sehr eindrucksvolles Bild…. man kann fast die Druckwelle des LKW spüren ….. definitiv nicht einfach umzusetzen und daran erkennt man den Profi.

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  2. Rurik Schnackig

    Glückwunsch zu diesem Bild. Hab’ es mir schon ein paar mal angesehen und bin immer wieder beeindruckt. Da stimmt einfach alles un der Fotograf hat sich wirklich in die Perspektive eines Kindes hineingedacht.

    Lese den Blog mit großem Interesse und finde es bemerkenswert, dass ein Profi hier mal an einem Making-Of teilhaben lässt – und nicht einfach nur auf die Frage “Wie hast Du dieses Bild denn gemacht?” zur Antwort geheimnisvoll lächelt.

    Antworten

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