Speeeeed!

Bewegungen in ein Standbild umzusetzen ist immer eine fotografische Herausforderung. Ich zeige hier mal eine mögliche Lösung: das “Mitziehen”

Jeder der schon einmal eine italienische Stadt besucht hat kennt diese Situation: ein Heer von knatternden, hupenden und qualmenden benzinbetriebenen Zweirädern saust unablässig mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch die Straßen und Gassen.

Ein Scooter brettert über den Piazza Venezia

Ein Scooter brettert über den Piazza Venezia Canon 6D, EF24-105mm f/4L IS USM bei 32,0 mm, Belichtung: 1/40 Sek; f/16; ISO 100

 Das Zweirad in freier Wildbahn

Während man in der “Gewöhnungsphase” noch mit Überlebensängsten kämpft, so erwacht mit dem aufkommenden Übermut bald der Wunsch die furchtlosen Piloten mit ihren tollen Kisten aufs Bild zu bannen.

In der “Annäherungsphase” tut man gut daran aus sicherer Position (z.B. Bürgersteig) einzelne Exemplare ins Auge zu fassen und ihre Bahnen zu folgen um ein Gefühl für die Geschwindigkeit der Vespas, Guzzis und ihrer Artgenossen zu entwickeln. Schließlich gilt es ja den Bildausschnitt und die Schärfe entsprechend anpassen zu können. Wobei die Besitzer von Kameras mit schnellem Autofokus hier deutlich im Vorteil sind.

Das geht dann meist bald über in die “Jagtphase”, an deren Ende vorzeigbare Bildausbeute diverser Scooter stehen sollte. Und hier kommt dann auch die erste Ernüchterung! Während die  Freude über einen sauberen Abschuss (scharf, zwei Räder und der Kopf des Fahrers ist auch noch drauf) beginnt sich breit zu machen, stellen wir fest: irgendwie langweilig! Die Mopeds, Roller und Motorräder sehen auf den Bildern fast aus als ob sie stehen…

Die Crux mit der Schärfe

Mit kurzen Belichtungszeiten fotografiert sind die Kamikazes zwar scharf und offenbaren Details die einem im schnellen vorbeifahren oft entgehen aber von ihrer Dynamik bleibt auch nur wenig übrig. Wählt man hingegen längere Verschlusszeiten stellen sich schnell Bewegungs- unschärfen ein die auch nicht wirklich gut aussehen.

Rom

Bei kurzer Belichtungszeit wirkt die Vespa sehr statisch

“Mitziehen” als Option

Ich persönlich versuche das Problem durch “mitziehen” zu lösen. Gemeint ist damit die Kamera in der gleichen Geschwindigkeit wie das zu fotografierte Objekt zu bewegen und dabei mit einer relativ langen Verschlusszeit auszulösen. Im Idealfall bleibt das Fotoobjekt hier relativ scharf während der Hintergrund verwischt und dabei den Eindruck der Geschwindigkeit verstärkt.

Übung macht den Meister

Natürlich bedarf es hierbei einer gewissen Übung und Erfahrung. Während es in Zeiten analoger Fotografie mit einem gewissen materiellen und zeitlichen Aufwand verbunden war hier zu üben oder Versuchsreihen zu erstellen, geht das heutzutage doch recht komfortabel.

Am einfachsten ist es das gewünschte Motiv in einiger Entfernung mit dem Autofokus zu erfassen und ihm mit gleichbleibender Bewegung zu folgen. Nach Möglichkeit nicht schneller oder langsamer werden sondern exakt folgen und dann mitten in der Bewegung auszulösen. Dabei nicht stoppen bevor die Kamera die Belichtung beendet hat. Sobald man den richtigen Schwung raus hat einfach mal ein wenig mit Zeit und Blende spielen und die unterschiedlichen Ergebnisse vergleichen. An einer gut befahrenen Straße lässt sich das gut üben.

Meine persönlichen Einstellungen

Eine Standarteinstellung für alle Arten von bewegten Motiven kenne ich leider auch nicht aber ich komme mit

  • Verschlusszeiten zwischen 1/30 s und 1/125 s und
  • Blende 8 – 16 gut klar

da bei schnellen Bewegungen gerne der Bereich der Schärfentiefe etwas größer sein darf.

Letztendlich nutze ich auch die Möglichkeit  “nachzujustieren” wenn sich Aufnahme wiederholen lässt. Und noch ein Tipp: nicht mit Zeitautomatik arbeiten da sich die Verschlusszeiten während des Verschwenkens dabei nicht kontrollieren lassen. Lieber der Kamera die Zeit fest vorgeben und dabei die Blende nachjustieren lassen (Blendenautomatik) oder mit manueller Einstellung arbeiten.

Viel Spaß beim ausprobieren!

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