Kategorie-Archiv: Allgemein

Badespaß

Bei vielen steht ja in diesen Tagen der (Strand-) Urlaub vor der Tür. Dabei wird traditionell gerne und viel fotografiert. Ein Bereich wird dabei oft ausgeklammert – das fotografieren im und unter Wasser. Dabei geht das mittlerweile kinderleicht.

Babyschwimmen

Babyschwimmen
Canon EOS 5D; EF24-105mm f/4L IS USM @ 24mm; 1/60 Sek; f/4,0; ISO 1250; Blitz

Zwischen den beiden großen Bildern im Blog liegen mittlerweile fast 9 Jahre. Das erst entstand wenige Wochen nach der Geburt unserer Tochter beim Babyschwimmen im Therapiebecken der Klinik. Digitale Unterwasserfotografie war damals noch eine echte Herausforderung. Zum einen gab es kaum bezahlbare Kameras, die über einen leistungsstarken Sensor verfügten, noch standen entsprechende günstige Unterwassergehäuse zur Verfügung. Das Bild habe ich damals mit einer Canon 5D (erste Generation) gemacht, die für die Aufnahmen in ein ewa-marine U-BXP100 gesteckt wurde. Im Prinzip ein wasserdichter Plastiksack mit Eingriff und Frontfilter der rund 350€ kostete. Und irgendwie war das schon ein komisches Gefühl eine Ausrüstung im Wert von über 3000€, nur geschützt von einer besseren Plastiktüte, ins Wasser zu tauchen.

Freibad

Freibad
PENTAX Optio WG-2; 5,0 mm (entspricht 28 mm); 1/500 Sek; f/4,2; ISO 125; Blitz

Günstiger als die meisten Smartphones

Mittlerweile, einige Kamera- und Chipgenerationen später, gibt es für deutlich weniger Geld Action- und Unterwasserkameras die einem jede Menge Fotospaß am Strand und in moderaten Tauchtiefen ermöglichen. Sie zeichnen sich kompakte Abmessungen und überraschend gute Bildqualität aus, sofern genügend Licht zur Verfügung steht. Man kann sie im Sand verbuddeln, in die Brandung legen, mit auf die Wasserrutsche nehmen oder einfach im Freibad damit abtauchen. Die kleinen Dinger stecken erstaunlich viel weg. Fast alle namhaften Hersteller von Kompakt-Kameras haben mittlerweile entsprechende Modelle im Sortiment. Meist unter der Bezeichnung Outdoor- oder Action-Cams und für 200€ – 300€ bieten sie jede Menge Fotospaß und das In Situationen, in die ich meine normale Ausrüstung niemals bringen möchte.

Kinderleichte Bedienung

Für schnelle Schnappschüsse am Strand und damit auch die Restfamilie die Kamera jederzeit benützen kann, ist meine kleine Pentax meist im Modus Programmautomatik. Die Möglichkeit spontan zu fotografieren steht hier einfach im Vordergrund. Fast alle Kameras haben im Menu eine eigen Einstellung für Bilder unter Wasser, die eine andere Farbgebung und Belichtung berücksichtigt. Und das ist auch schon fast alles was man für ungetrübten Spaß im feuchten Element beachten muss. Vergisst man diese allerdings nach dem Auftauchen die Unterwasser-Einstellung zu deaktivieren, bekommen die Überwasser-Fotos einen Farbstich, der sich oft nur mühevoll ausgleichen lässt.

Sicherlich muss man in der Bildqualität gegenüber teuren Spiegelreflex-Kameras Abstriche machen, aber darum geht es hier ja auch gar nicht. Aber dafür stehen einem Möglichkeiten offen, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gab oder nur mit extrem teurem Equipment zu realisieren  waren. Also dann – schönen Urlaub und fröhliches Abtauchen…

 

Underwater-Selfie

Underwater-Selfie
PENTAX Optio WG-2; 5,0 mm (entspricht 28 mm); 1/1000 Sek; f/4,2; ISO 125; Blitz

 

 

 

Sonnenuntergang

Vor ein paar Wochen hab ich provokativ behauptet  Sonnenuntergänge sind langweilig. Das hat einige durchaus kontroverse Reaktionen in meinem Umfeld hervorgerufen, da das natürlich so nicht stimmt. Sonnenuntergänge sind oft spannend, hochdramatisch und wunderschön. Nur die Bilder davon sind manchmal wenig überzeugend. 

Oceanside Pier, California

Oceanside Pier, California
Canon EOS 5D Mark III, EF35-350mm f/3.5-5.6L USM @ 35mm, 1/1600 Sek; f/5,0; ISO 800

Grundsätzlich ist ja alles in der Fotografie sehr subjektiv. Auch die Momente die uns zur Kamera greifen lassen haben meist etwas mit Emotionen zu tun. Wir fotografieren gerne Momente die uns berühren. Bilder von unserer Liebsten, gerne auch im Urlaub, stehen dabei natürlich hoch im Kurs. Weit oben in der Liste sind Augenblicke, deren Schönheit uns berührt und die wir daher konservieren möchten. Dazu gehören natürlich auch Abendstimmungen, egal ob hinter der heimischen Terrasse oder in exotischen Gefilden. Oft verknüpfen wir diese mit besonderen Gefühlen oder Erlebnissen und so genügt später ein bestimmtes Bild, um ein ganzes Spektrum von Erinnerungen wachzurufen.

Und da liegt dann auch der Hase im Pfeffer: Betrachter dieses Fotos, die die Situation nicht miterlebt haben verfügen nicht über diesen “emotionalen Mehrwert”. Für die ist eben dieses sehr spezielle Bild eben nur ein x-beliebiger Sonnenuntergang, wie er zu tausenden in vielen Fotoforen zu finden ist.

Mein Konzept: Tiefe und Handlung einbauen

Mit Tiefe meine ich räumliche Tiefe und die entsteht hier durch den Vordergrund (auch wenn wir seit Udo Lindenberg wissen, dass es hinter dem Horizont weiter geht, so scheidet der in diesem Fall aus). Der Vordergrund kann alles mögliche sein, Häuser, Bäume, Boote, Menschen, Strand…alles  was dem Auge des Betrachters vorgaukelt dass es sich um ein dreidimensionales Bild handelt.

Alghero, Sardinien

Alghero, Sardinien
Canon EOS 100D, EF-S18-135mm f/3.5-5.6 IS STM, @18mm, 1/200 Sek; f/6,3; ISO 400

Und das Foto muss eine Geschichte erzählen deren Inhalt über ” die Sonne geht unter” hinausgeht. Nur so unterscheidet es sich vom Standart-Sonnenuntergang und sorgt für Aufmerksamkeit. Das können spielende Kinder am Strand sein, ein besonderer, unerwarteter oder auch skurriler Moment. Oder einfach nur die Cocktails an der Strandbar. Möglichkeiten gibt es unzählige, der Fantasie sind wenig Grenzen gesetzt. Und das geniale ist: das wunderschöne Abendlicht verwandelt oft die banalsten Situationen in magische Augenblicke.

Meine Tipps:

  • Neben der von der Kamera vorgeschlagenen Belichtung immer manuell mit unterschiedlichen Alternativen experimentieren. Die wenigsten Kameras können solche Lichtstimmungen perfekt einschätzen.
  • Wenn die Kamera eine eingebaute HDR-Funktion hat, dann ist dies der perfekte Moment um sie einzusetzen.
  • ein Stativ schadet nie um lange Belichtungszeiten bei schlechtem Licht besser zu realisieren. Aber wer hat schon im Urlaub am Strand eines dabei…
  • Zur Not tut es auch das Smartphone. Die beste Kamera ist immer die, die man gerade dabei hat.
Strandbar Alghero, Sardinien

Strandbar Alghero, Sardinien
iPhone 4s back camera 4.28mm, f 2.4

Na dann, Prost!

 

 

 

Entschleunigung

Die Hektik im Alltag

Es gibt nicht wenige Tage, an denen ich zugeballert mit Foto-Terminen quer durch die Gegend hetze. Die meisten davon sind weder zeitlich gut getaktet noch in komfortablen Abständen zueinander. Ich frage mich dann schon oft, wie das logistisch ohne Privat-Hubschrauber zu schaffen sein soll. Da wird das Fotografieren manchmal zur Nebensache, was die Qualität der Bilder auch nicht gerade fördert.

Um die Freude an der Fotografie nicht zu verlieren, arbeite ich ab und zu an freien Projekten, bei denen mir sehr wichtig ist: es darf kein Stress aufkommen! Davon habe ich im Alltag, wie die meisten anderen auch, mehr als genug.

So entstehen manchmal Bilder, die unter Zeitdruck nie möglich gewesen wären. Das Foto im heutigen Blog ist eines davon. Ich war ja unlängst ein paar Tage im Rom und habe viel Zeit damit verbracht einfach durch die Stadt zu laufen. Ohne Zeitdruck und (fast) ohne Plan. Aber völlig “entschleunigt”.

Einfach mal ein paar Gänge runterschalten

Das klingt jetzt vielleicht etwas pseudophilosophisch, aber wenn man es schafft die gewohnte Geschwindigkeit und Hektik des Alltags auszubremsen, dann eröffnen sich andere Eindrücke und es entstehen auch andere Bilder. Natürlich ist das eine Binsenweisheit, ein alter Hut.

Trotzdem beeindruckt es mich immer wieder, wie sich meine Wahrnehmung verändert, wenn ich in einer hektischen Großstadt einfach mal stehen bleibe. Länger stehen bleibe, mich umsehe, Menschen beobachte. Mitten auf einem belebten Platz. Viele Passanten nehmen einen dann nach einer kurzen Zeit kaum noch war, sie sind auf einem anderen “Speed-Level”. Dafür fallen mir dann selbst immer mehr Details auf. Und die Bilder kommen – von ganz alleine.

Aprire la fenestra

Aprire la fenestra
Canon EOS 6D, EF24mm f/1.4L II USM, 1/1000 Sek; f/4,5; ISO 400

Manchmal gehen Fenster auf

Genau so war es auch bei diesem Foto. Ich stand schon länger am Campo die Fiori herum, als mir die Häuserfassade mit der altmodischen Reklame ins Auge fiel. Also suchte ich nach einer spannenden Perspektive. Irgendwie mit dem Weitwinkel von unten die stürzenden Linien verstärken und den Schriftzug zentral ins Bild zu setzen, das war meine Idee. Aber egal wie ich die Kamera drehte und neigte, nichts machte mich wirklich glücklich. Belichtung und Schärfe, alles passte. Aber irgendwie war mir das zu langweilig, irgendetwas fehlte. Plötzlich öffneten sich bei einem Fenster die Läden. Bevor ich noch genau verstand warum, schon klickte der Auslöser. Die Schrift wurde zur Nebensache, die Frau am Rande des Bildes zur Hauptsache. Mir gefiel das Ergebnis.

Lasst die Bilder zu euch kommen

Daher meine heutige Botschaft: wer sich Zeit nimmt, der wird manchmal auf eine unerwartete Art belohnt, das gilt im Besonderen in der Fotografie. Man kann nach guten Bildern jagen – oder einfach warten bis sie zu einem kommen…

Baby you can drive my car

In einem fahrenden Auto zu fotografieren hat seinen ganz eigenen Reiz. Wobei es deutlich von Vorteil ist nicht selbst am Steuer zu sitzen…

Gotham City, Duisburg 2013 Canon EOS 70D, EF-S10-22mm f/3.5-4.5 USM @ 22mm, 0,3 Sek; f/4,5; ISO 3200

Gotham City, Duisburg 2013
Canon EOS 70D, EF-S10-22mm f/3.5-4.5 USM @ 22mm, 0,3 Sek; f/4,5; ISO 3200

Viele von uns verbringen tagtäglich eine gewisse Zeit in einem PKW, als Fahrer oder Beifahrer. Meist sind wir dabei konzentriert auf den Verkehr und dauerberieselt von den Klängen des Entertainment-Systems. Eher selten beschäftigten wir uns dabei mit der Fotografie. Solange wir selbst am Steuer sitzen ist das auch gut so. Aber wenn man sich in der luxuriösen Situation befindet gefahren zu werden, denn eröffnen sich hier unglaubliche Möglichkeiten mit der Kamera kreativ zu werden.

Der Fahrer als Opfer

Roadster, Californien 2012

Roadster in der Abenddämmerung, Californien 2012
Canon EOS 5D Mark II, EF16-35mm f/2.8L II USM @ 16mm, 1/160 Sek; f/2,8; ISO 6400

Es ist naheliegend erst mal die Person am Lenkrad ins Visier zu nehmen, da diese hoch konzentriert und wehrlos ist. Spaß beiseite, hier können durchaus spannende Portraits entstehen. Wobei das manchmal nicht ganz einfach ist, da die Lichtverhältnisse meist von starken Kontrasten geprägt sind. Da gilt es manchmal zu entscheiden, ob man die Person am Lenkrad richtig belichtet oder die Umgebung. Beides ist auf Grund des Helligkeitsunterschiedes, vor am bei gutem Wetter, oft ohne zusätzliche Aufhellung kaum möglich. Aber im eigenen Interesse dies vorher mit dem/der FahrerIn absprechen ob ein Blitzlicht zu Einsatz kommt.

Geschwindigkeit einbauen

Da sich das Fahrzeug idealer Weise mit einer bestimmten Geschwindigkeit bewegt, ist es recht einfach diese Geschwindigkeit mit ins Bild zu einzubauen. Einfach durch eine längere Verschlusszeit. Ich starte hier meist mit 1/15 Sekunde und probiere dann ein wenig herum. Mit dem Aufhellblitz im Vordergrund “friert” man den Vordergrund ein, da macht es auch nichts wenn die Kamera ein wenig wackelt. Durch die längere Belichtungszeit verwischt die Landschaft durch die man fährt.

Innenbeleuchtung nutzen

Hubert, Los Angeles, 2007

Hubert, Los Angeles, 2007
Canon EOS 5D, EF 4.0 EF17-40mm f/4L USM @ 17mm, 1/13 Sek; f/4,0; ISO 1600

Nachts finde ich es immer sehr reizvoll die Cockpit-Beleuchtung mit einzubauen. Das klappt entweder auch mit einer Kombination aus längeren Belichtungszeiten und einem etwas abgeschwächten Aufhellblitz oder durch die Erhöhung der Kameraempfindlichkeit. Ich arbeite hier gerne mit ASA-Werten um die 3200. Bei Nachtaufnahmen die eine gewisse Stimmung wiedergeben sollen nehme das aufkommend Bildrauschen billigend in kauf.

Der Blick nach draussen

Interstate 5 bei Burbank, CA, 2012

Interstate 5 bei Burbank, CA, 2012
Canon EOS 5D Mark II, F35-350mm f/3.5-5.6L USM @ 90mm, 1/1250 Sek; f/8; ISO 800

Hat man sich am Wageninneren abgearbeitet, bietet der Blick hinaus natürlich unzählige Motive. Sei es die Fahrbahn (scharf oder unscharf, mit kurzen oder längen Belichtungszeiten), die Landschaft, Häuser, Städte, Menschen, bei Tag oder Nacht – nur die Fantasie setzt uns hier Grenzen. Bilder aus fahrenden Objekten, es können auch aus Busse oder Bahnen sein, haben immer eine eigene Ästhetik. Dabei muss auch nicht zwingend das Fenster geöffnet sein. Lichtreflexe und Spiegelungen in Scheiben entsprechen ja auch unseren Sehgewohnheiten und sorgen manchmal für spezielle Stimmungen oder Effekte.

Spielerisch Erfahrungen sammeln

Egal ob lange oder kurze Belichtungszeiten, kleine oder große Blenden, verschiedene Empfindlichkeiten: ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren! Es werden erstaunliche Bilder entstehen – und noch mehr Müll! Aber das ist egal. Was nicht gefällt wird gelöscht und bei den guten Bildern lohnt es sich umso mehr nochmals genauer hinzusehen. Wie war die Kamera eingestellt? Wie hab ich dieses Foto gemacht? Im Gegensatz zur analogen Fotografie zeichnet jede Digitalkamera genau auf was sie gemacht hat. Man muss sich diese Daten nur ansehen und hat dann eine gute Basis für die nächste Mitfahrgelegenheit…

Drive, Nürnberg 2004 Canon EOS-1D Mark II, EF17-40mm f/4L USM @ 35mm, 30,0 Sek; f/18; ISO 50

Drive, Nürnberg 2004
Canon EOS-1D Mark II, EF17-40mm f/4L USM @ 35mm, 30,0 Sek; f/18; ISO 50

 

 

Let it rain!

Effektvolle Bilder entstehen oft durch besondere Lichtverhältnisse. Aber es muss nicht immer blauer Himmel oder tief stehende Sonne sein um eine besondere Stimmung zu erzeugen.

Roter Regenschirm in Rom

Roter Regenschirm in Rom
Canon EOS 6D, EF24-105mm f/4L IS USM, 1/160 Sek, f/5,6, ISO 1250

Sonnenuntergänge bringen Klicks

Wer mit seinen Bildern in sozialen Netzwerken oder Fotoportalen nach vielen Klicks oder Anmerkungen sucht, der ist mit Sonnenauf- oder Untergängen meist auf der sicheren Seite. Aber mal ehrlich: so schön die auch sind, irgendwie wird das auf Dauer ein wenig langweilig. Natürlich knallen die Farben und oft sind wir im Kopfkino beim letzten Sommerurlaub am Strand oder in den Bergen. Aber sollten wir uns deshalb beim fotografieren darauf beschränken nur solche Motive zu beachten und um den eindrucksvollsten Sonnenuntergang zu streiten? Mein Ansatz im Alltag ist sowieso sehr viel unromantischer, Fototermine für die aktuelle Berichterstattung finden bei jeder Witterung statt, auch wenn es junge Hunde regnet.

Römischer Regen

Römischer Regen
Canon EOS 6D, EF24-105mm f/4L IS USM, 1/160 Sek, f/7,1, ISO 800

Jedes Wetter ist Fotowetter

Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Jedes Wetter ist Fotowetter, schließlich findet auch unser Leben bei jedem Wetter statt. Wir leben, lieben und leiden in diesem Land sehr viel mehr bei trüben und ungemütlichen Tagen als bei Königswetter. Und wer hat nicht schon einen Urlaub mit Regentagen in Spanien oder Italien erlebt? Oder an Hitzetagen in Schottland? Habt Ihr deswegen die Kamera im Koffer gelassen?

Spezielle Lichtstimmungen

Grauer Himmel mit flauem Kontrast oder dunkle Wolken haben ihre eigenen stimmungsvollen Momente und stellen meist eine größere fotografische Herausforderung da als jeder Sonnentag. Zum Beispiel ist ein schöner Friedhof bei Nieselregen immer eine sichere Bank für schöne und melancholische Bilder. Grabsteine, Statuen und Engel erscheinen bei strahlend blauem Himmel weit weniger mystisch und morbide. Der tief hängende Himmel zeichnet weich und mit ein wenig Glück steigt auch noch etwas Nebel auf. Ein Traum!

Grab am Cimitero cattolico in Rom

Grab am Cimitero cattolico in Rom
Canon EOS 6D, EF24-105mm f/4L IS USM, 1/80 Sek, f/5,6 ISO 320

Mein Tip:

  • arbeitet mit ungewöhnlichen Bildausschnitten,
  • wenig Schärfentiefe
  • auch mal mit längeren Brennweiten oder
  • ungewöhnlichen Perspektiven
  • Wichtig: auf ausreichenden Schutz der Kamera achten (Schirm, notfalls Plastiktüte)

Macht euch keine Sorgen um die flauen Kontraste, das kann man in der Nachbearbeitung schnell ein wenig ausgleichen (aber bitte dezent). Trübe Momente erzeugen oft auch starke Emotionen und Bilder die uns berühren bleiben in Erinnerung.

Wischeffekt

Das Bild des heutigen Beitrags entstand aus einer alltäglichen journalistischen Aufgabenstellung. Anhand von längeren Verschlusszeiten habe ich versucht bewegte Objekte. in diesem Fall Lastwägen, vom Vordergrund zu trennen und dem Foto dadurch mehr Dynamik verleihen.

Die Technik und die Bildwirkung ist ähnlich wie beim “mitziehen”. Auch hier arbeitet man mit relativ langen Belichtungszeiten. Allerdings bewegt sich hier die Kamera hier nicht mit dem Hauptmotiv sonder bleibt möglichst unbeweglich.

Gefährlicher Schulweg

Gefährlicher Schulweg
Canon EOS 70D, EF17-40mm f/4L USM, 17,0 mm, 1/8 Sek; f/9; ISO 125

Die Aufgabenstellung

In einem kleinen Ort im Nürnberger Land mit rund 4000 Einwohnern befindet sich das Logistik-Zentrum einer Büroartikel-Firma. Dementsprechend rauschen jeden Tage unzählige Lastwagen durch den Ortskern, da die Gemeinde es nicht fertig gebracht hat eine Umgehungsstraße zu bauen. Trotz eines seit Jahren bestehenden Ratsbeschlusses der dies konkret fordert. Dummerweise führt die LKW-Strecke entlang des Schulweges der meisten Grundschüler. Und viele Eltern sind deswegen sehr beunruhig und um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt. Dies galt es entsprechend zu illustrieren.

Die Umsetzung

Um dies zu fotografieren habe ich zwei Grundschülerinnen auf ihrem Schulweg begleitet. Natürlich nicht ohne mir vorher das Einverständnis der Eltern geben zu lassen. Es war vereinbart, dass die Kinder nicht zu erkennen sein sollen.

Die Stelle an der das Foto entstehen sollte, hatte ich mir vorher schon ausgesucht. Ich bat die Mädchen zu warten bis der nächste LKW vorbei fahren würde, was nur wenige Minuten dauerte und dann still stehen zu bleiben. Dafür wählte ich einen sehr tiefen Kamerastandpunkt und ein Weitwinkel-Objektiv um möglichst viel vom Lastwagen mit aus Bild zu bekommen.

Ich stellte die nach meiner Erfahrung längste Verschlusszeit ein, die ich mit dieser Brennweite gerade noch aus der Hand halten konnte, in diesem Fall 1/8 Sekunde (nein, ich hatte mal wieder kein Stativ zur Hand, die alte Geschichte).

Immer mehrere Varianten ausprobieren

Es kamen im kurzen Abstand mehrere schwere Gespanne angerauscht und ich machte entsprechend auch mehrere Aufnahmen – jeweils eine pro LKW, mehr geht bei dieser Technik nicht. Dabei habe bei jeder Aufnahme die Zeiten variiert, sowohl verkürzt als auch verlängert und am Ende die Aufnahme gewählt, bei der mir der Wischeffekt am besten gefallen hat.

Und um ehrlich zu sein: am Boden liegend gerade mal 2 Meter entfernt zu sein von einem vorbei donnernden 18-Tonner – das ist doch ein etwas unbehagliches Gefühl. Danach konnte ich mir ganz gut vorstellen wie sich dabei erst kleine Kinder fühlen.

Keine Photoshop-Tricks

Und auch wenn das der eine oder die andere auch vermuten möchte, an diesem Bild ist im Photoshop ausser der Helligkeit, der Sättigung und dem Abdunkeln der Bildränder nichts verändert! Kein zusätzlicher Wischeffekt oder oder sonstige Verfremdungen. Zum einen habe ich einfach den Ehrgeiz solche Bildwirkungen mit fotografischen Mitteln zu erzielen, zum anderen bin ich der Meinung das Berichterstattung und Bildmanipulation sich grundsätzlich ausschließen.

Meine Empfehlungen für Wischeffekte

  • Stativ benützen oder Objektive mit Bildstabilisierung
  • Manuell fokussieren (Autofokus ist hier überfordert)
  • Weitwinkelobjektive benützen
  • Verschlusszeiten (je nach Geschwindigkeiten) zwischen 1/4 und 1/30 Sekunde wählen
  • mit genügend Schärfentiefe arbeiten (Blenden zwischen 8 – 16)

Viel Spaß beim ausprobieren!

 

 

 

 

Jagdfieber

Während der schwächelnde Nationalmannschaft langsam wieder auf Touren kommt, ist eine in absoluter Topform: unsere Katze Cara.

Im Gegensatz zu unserer Fussball-Helden, die heute um ihren Einzug noch kämpfen müssen, steht Cara mit vier Pfoten schon fest im Halbfinale. Augenblicklich macht sie pro Tag etwa 2, 6 Mäuse klar.

Das Talent aus dem Tierheim

Das war nicht immer so. Als Findelkind im Tierheim gelandet, dort mühsam aufgepäppelt, hat sie mich bei einem Fototermin vor Ort mit einem herzzerreissenden Blick zu einer Befreiungsaktion gezwungen. Seitdem lebt sie als glückliche Freigängerin mit eigener Eingangstür bei uns.

Cara bei der Jagt

Cara bei der Jagt
Canon 1D Mark II N, EF 400mm f4 DO, 1/5000 sec, f/4,0

 Erfolg nach hartem Trainingslager

Im ersten Jahr stellte die junge Dame sich, in Ermangelung eines Vorbildes, beim jagen eher etwas dämlich an.  All meine Versuche sie zu coachen und  ihr die Pirsch näher zu bringen, waren zuerst nicht sehr fruchtbar und nur trugen dazu bei, die Nachbarn zu erheitert. Aber in diesem Sommer ist der Knoten geplatzt. Tagtäglich wird die Beute präsentiert und anschließend genüsslich im Garten verspeist. Cara müllert sich derzeit mühelos auf Platz eins des lokalen Jagt-Rankings.

Eigentor nach Täuschungsmanöver

Nur kürzlich lief die Nummer etwas aus dem Ruder. Cara schleppte eine Maus ins Wohnzimmer und legte sie mir als Liebesgabe vor die Füße, in stolzer Erwartung auf Bewunderung und Anerkennung. Nur: die Maus war gar nicht tot! Während ich die stolze Jägerin lobte und herzte, blinzelte das Mäuschen kurz um die Lage zu peilen und gab anschließend Vollgas. Quer durchs Wohnzimmer und ab hinter den Ofen. Unerreichbar für jeden Häscher.

Die Katze war mindestens so verblüfft wie ich. Was also tun? Die Situation ignorieren und Cara das Problem alleine überlassen? Und meiner Frau mitteilen: “Übrigens Liebling, wir haben da eventuell noch eine klitzekleine, lebende Maus in der Wohnung. Nur falls Cara sie nicht erwischt haben sollte. Also fürchte dich nicht!” Keine gute Idee…

Erfolg nach Verlängerung

Wir mussten also in die Nachspielzeit. Ich schärfte unserer Räuberin ein, das Nagetier nicht aus den Augen zu lassen während ich zum nahe liegenden Baumarkt rannte um eine Mäusefalle zu besorgen.

Zu meiner eigenen Verblüffung ging der Plan auch auf. Nicht nur mit Speck, nein auch mit feinstem Pecorino fängt man Mäuse. Allerdings erst nachdem ich die Katze aus dem Haus geworfen hatte.

Mit Pecorino fängt man Mäuse

Mit Pecorino fängt man Mäuse
Canon EOS 70D, EF 100mm f/2,8 Macro; f/7,1, 1/320s

Stolz präsentierte erstmals ich unserer verblüfften Hauskatze meine Beute. Nur mit dem “mich dafür loben” tat Cara sich etwas schwer. Außerdem wurde sie zusehends misslaunig als sie mitansehen musste, wie sich das Mäuschen in seinem Gefängnis genüsslich den Käse einverleibte.

Ein seltenes Duo- mein Macro-Objektiv und ich

Die Szene war einfach zu schön um nicht fotografiert zu werden. Ich bin ja nun nicht der große Macro-Enthusiast. Blütenstempel und Insekten sind ja nun nicht so mein Ding. Um ehrlich zu sein, habe ich mir zwischendurch öfter mal überlegt, ob ich so ein Macro-Objektiv wirklich brauche, weil ich es so selten benutze. Aber mit meinen “normalen” Linsen hätte ich dies Nahaufnahmen niemals machen können. So war ich dann doch es in meiner Ausrüstung zu haben.

 Macro-Objektive in der Portrait-Fotografie

Das 100mm Macro von Canon ist schon ein wirklich feines Teil. Es zeichnet sich durch eine hervorragende  Schärfe aus und der Bildstabilisator hilft sehr, wenn Detailaufnahmen aus der Hand gelingen sollen. Ich kenne auch einige Kollegen, die Makro-Objektive mit etwas längerer Brennweite gerne in der Portrait-Fotografie einsetzten, wenn es darum geht Details herauszuarbeiten und trotzdem dem Model nicht zu sehr auf die Pelle zu rücken.

Safehouse

Safehouse
Canon 70D, EF 100mm 2,8L Macro, f/8, 1/80s

Happy End

Um die Geschichte zu Ende zu erzählen: während Cara durch ein paar Leckereien abgelenkt war bin ich auf die Wiese hinterm Haus und hab die kleine Nagerin freigelassen. Sie hatte sich durch die begnadete Darstellung einer toten Maus wirklich eine Oscar-Nomenierung verdient. Und eine zweite Chance!

P.S. Beim erstellen dieses Blog-Eintrages wurde kein Tier verletzt oder misshandelt! Zumindest nicht von mir…

Into the sun

Eine der ältesten und noch immer sehr verbreiteten Ratschläge in der Fotografie lautet: “Nicht in die Sonne fotografieren, das wird nix!”

Sonnenuntergang am Campo dei Fiori, Rom

Sonnenuntergang am Campo dei Fiori, Rom
Canon 6D, EF24mm f/1.4L II, 1/800 Sek; f/9; ISO 400

Wohl eine der größten Irrtümer und Missverständnisse überhaupt! Es gibt nur wenige Gestaltungsmöglichkeiten die aufregender sind, als starkes Gegenlicht mit einzubeziehen.

Sonne sorgt für großes Kino

Die Sonne direkt ins Bild einzubauen hat immer ein Potential für “großes Kino”. Seien es die veränderte Kontraste, Blendreflexe, lange Schatten oder Über- und Unterbelichtungen, die Darstellung eines Motivs im Gegenlicht durch ein Kameraobjektiv unterscheidet sich nahezu immer von unserer eigenen Wahrnehmung. Und gerade diese oft beeindruckenden Verfremdungseffekte machen einen großen Teil des Reizes von Gegenlichtaufnahmen aus.

Der Trick liegt darin die Verfremdung zu kontrollieren

Engelsburg

Engelsburg, Rom
Canon 6D, EF24mm f/1.4L, 1/320 Sek; f/9; ISO 200

Während in der analogen Zeit im günstigsten Fall Stunden vergingen bis der Film entwickelt, ein Ergebnis beurteilt und gegebenenfalls korrigiert werden konnten, so ist das mittlerweile eine Sache von Sekunden zu überprüfen was die Kamera “sieht”. Ein Blick auf den Monitor genügt um festzustellen, ob die Sonne der Belichtungsmessung einen Streich gespielt hat, ob die Aufnahme zu hell oder zu dunkel ist.

Dein Freund, die Belichtungskorrektur-Taste

Fast jede Kamera hat die Möglichkeit, bei gleichbleibender Belichtungseinstellung, Korrekturwerte manuell einzugeben. Und genau das sollte man hier eifrig tun. Wer nicht so versiert ist mit manuellen Einstellungen oder oft mit Spotmessung arbeitet, der ist Anfangs mit einem Korrekturwert von +1/2 bis + 1 Blendenstufe bei Kameras mit Mehrfeldmessung gut bedient. Und dann heißt es: ausprobieren!

Mit dem Bild spielen

Big Bambú, Testaccio, Rom

Big Bambú, Testaccio, Rom
Canon 6D, EF24mm f/1.4L II USM , 1/800 Sek; f/9; ISO 400

Ausgehend vom gemessenen Wert der Belichtung bringt es ungemein viel einfach mit der Kamera herumzuspielen. Blendenwert rauf und runter. Korrekturwerte auf Plus und Minus. Den Bildausschnitt verengen und erweitern. Den Blitz bei nahen Objekten im Vordergrund dazu schalten und wieder weglassen. Ihr werdet schnell die Unterschiede erkennen und manchmal verblüfft sein über die unterschiedlichen Bildergebnisse. Mit ein wenig Übung klappt das nicht nur bei statischen Motiven sondern sondern auch bei Schnappschüssen.

Also dann, Sonnenbrillen raus und los geht´s!

 

 

 

Es leben die Klischees

Fiat 500 im Abendlicht

Fiat 500
Canon EOS 6D, 24,0 mm, 1/2500 Sek; f/3,5; ISO 400

Es ist schwer bei jedem Bild das Rad neu zu erfinden. Warum nicht zwischendurch auf alte Klischees zurückgreifen?  Vor allem wenn sie so charmant daher kommen…

Kopfkino

Wenn ich an Italien denke, dann startet sehr schnell mein persönliches Kopfkino. Wunderbares Essen, guter Wein, grandiose Landschaften, unschätzbare Kulturgüter, schöne Frauen, mitreisende Musik, laue Sommernächte, das Meer – die Liste ist nach vielen Reisen schier endlos. Und natürlich sind da im Lauf der Zeit auch viele Klischees entstanden. Zum Teil sind diese sehr emotional besetzt, im positiven wie im negativen Sinne. Warum sich dies nicht auch beim fotografieren zu nutze machen?

Klischees haben Potential

Wenn ich sehe wie viele Reaktionen alleine ein Bild eines alten Fiats oder einer Vespa im geparkten Zustand vor einer Hauswand bei fotocommunity.de erzeugt, lässt schnell das emotionale Potential solcher Fotos erkennen. Und Emotionen sind ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Fotografie.

Das bedeutet jetzt nicht, dass ich mir ständig überlege was ich fotografieren muss um möglichst viele Betrachter anzusprechen. Aber gelegentlich Sehnsüchte und Klischees zu bedienen ist auch kein Verbrechen, vor allem wenn sie so charmant ums Eck kommen.

Kein geplantes Motiv

Der alte Fiat ist mir zufällig aufgefallen, da er auf einer der verkehrsreichsten Straßen der römischen Innenstadt fast alleine zwischen zwei Ampelphasen angerauscht kam. Ohne  aus der Entfernung genau sehen zu können wer darin sitzt oder ob sich das Motiv wirklich lohnen würde griff ich nach der Kamera. Glücklicherweise hatte ich gerade ein passendes Objektiv, ein 24mm Weitwinkel montiert, was mir gut passte, da ich auch die Umgebung mit einbeziehen wollte. Den Hintergrund nicht verwischen lassen, aber durch eine leichte Unschärfe vom Vordergrund zu trennen war die Absicht. Daher öffnete ich schnell die Blende auf den Wert von 3,5 (wenn ich noch etwas mehr Zeit zum überlegen gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich sogar bei Blende 2,8 oder 2 gelandet um den Effekt noch zu verstärken).

Manchmal muss es einfach schnell gehen

Aber bei solchen Motiven müssen einfach sehr schnell Entscheidungen getroffen werden, sonst ist es zu spät. Fokussieren, Bildausschnitt bestimmen und abdrücken, dafür bleiben oft nur Sekunden. Erst danach habe ich realisiert, wie viel Charme das Foto mit der alte Kiste mit den Beulen im Abendlicht hatte. Und welche charmante Fracht sie beförderte.

Was die Italien-Flagge betrifft, am Tag danach flogen die “Azzurri” aus der Fussball WM. Sorry Mädels und vielen Dank für dieses Bild!

Speeeeed!

Bewegungen in ein Standbild umzusetzen ist immer eine fotografische Herausforderung. Ich zeige hier mal eine mögliche Lösung: das “Mitziehen”

Jeder der schon einmal eine italienische Stadt besucht hat kennt diese Situation: ein Heer von knatternden, hupenden und qualmenden benzinbetriebenen Zweirädern saust unablässig mit nahezu Lichtgeschwindigkeit durch die Straßen und Gassen.

Ein Scooter brettert über den Piazza Venezia

Ein Scooter brettert über den Piazza Venezia Canon 6D, EF24-105mm f/4L IS USM bei 32,0 mm, Belichtung: 1/40 Sek; f/16; ISO 100

 Das Zweirad in freier Wildbahn

Während man in der “Gewöhnungsphase” noch mit Überlebensängsten kämpft, so erwacht mit dem aufkommenden Übermut bald der Wunsch die furchtlosen Piloten mit ihren tollen Kisten aufs Bild zu bannen.

In der “Annäherungsphase” tut man gut daran aus sicherer Position (z.B. Bürgersteig) einzelne Exemplare ins Auge zu fassen und ihre Bahnen zu folgen um ein Gefühl für die Geschwindigkeit der Vespas, Guzzis und ihrer Artgenossen zu entwickeln. Schließlich gilt es ja den Bildausschnitt und die Schärfe entsprechend anpassen zu können. Wobei die Besitzer von Kameras mit schnellem Autofokus hier deutlich im Vorteil sind.

Das geht dann meist bald über in die “Jagtphase”, an deren Ende vorzeigbare Bildausbeute diverser Scooter stehen sollte. Und hier kommt dann auch die erste Ernüchterung! Während die  Freude über einen sauberen Abschuss (scharf, zwei Räder und der Kopf des Fahrers ist auch noch drauf) beginnt sich breit zu machen, stellen wir fest: irgendwie langweilig! Die Mopeds, Roller und Motorräder sehen auf den Bildern fast aus als ob sie stehen…

Die Crux mit der Schärfe

Mit kurzen Belichtungszeiten fotografiert sind die Kamikazes zwar scharf und offenbaren Details die einem im schnellen vorbeifahren oft entgehen aber von ihrer Dynamik bleibt auch nur wenig übrig. Wählt man hingegen längere Verschlusszeiten stellen sich schnell Bewegungs- unschärfen ein die auch nicht wirklich gut aussehen.

Rom

Bei kurzer Belichtungszeit wirkt die Vespa sehr statisch

“Mitziehen” als Option

Ich persönlich versuche das Problem durch “mitziehen” zu lösen. Gemeint ist damit die Kamera in der gleichen Geschwindigkeit wie das zu fotografierte Objekt zu bewegen und dabei mit einer relativ langen Verschlusszeit auszulösen. Im Idealfall bleibt das Fotoobjekt hier relativ scharf während der Hintergrund verwischt und dabei den Eindruck der Geschwindigkeit verstärkt.

Übung macht den Meister

Natürlich bedarf es hierbei einer gewissen Übung und Erfahrung. Während es in Zeiten analoger Fotografie mit einem gewissen materiellen und zeitlichen Aufwand verbunden war hier zu üben oder Versuchsreihen zu erstellen, geht das heutzutage doch recht komfortabel.

Am einfachsten ist es das gewünschte Motiv in einiger Entfernung mit dem Autofokus zu erfassen und ihm mit gleichbleibender Bewegung zu folgen. Nach Möglichkeit nicht schneller oder langsamer werden sondern exakt folgen und dann mitten in der Bewegung auszulösen. Dabei nicht stoppen bevor die Kamera die Belichtung beendet hat. Sobald man den richtigen Schwung raus hat einfach mal ein wenig mit Zeit und Blende spielen und die unterschiedlichen Ergebnisse vergleichen. An einer gut befahrenen Straße lässt sich das gut üben.

Meine persönlichen Einstellungen

Eine Standarteinstellung für alle Arten von bewegten Motiven kenne ich leider auch nicht aber ich komme mit

  • Verschlusszeiten zwischen 1/30 s und 1/125 s und
  • Blende 8 – 16 gut klar

da bei schnellen Bewegungen gerne der Bereich der Schärfentiefe etwas größer sein darf.

Letztendlich nutze ich auch die Möglichkeit  “nachzujustieren” wenn sich Aufnahme wiederholen lässt. Und noch ein Tipp: nicht mit Zeitautomatik arbeiten da sich die Verschlusszeiten während des Verschwenkens dabei nicht kontrollieren lassen. Lieber der Kamera die Zeit fest vorgeben und dabei die Blende nachjustieren lassen (Blendenautomatik) oder mit manueller Einstellung arbeiten.

Viel Spaß beim ausprobieren!